Danke für 17,4 Prozent

Nach der geheimen Wahl vom 18. März 2026 beginnt die Zeit der nicht geheimen Wahlergebnisse und deren Interpretation. Für Breisach wurde zunächst ein falsches Schnellergebnis durchgegeben, das in der Medienberichterstattung  übernommen wurde: 16,3 Prozent AfD. Das beinhaltet in der Schnellmeldung für Breisach den Briefwahlbezirk 3 betreffend vertauschte Stimmenzahlen von AfD und Linkspartei. Nach der Korrektur gibt es 85 Stimmen mehr für die AfD oder ein Ergebnis von 17,4 Prozent. Das sieht schon besser aus, zumindest für die AfD. Damit können wir Breisacher AfD-Stadträte sehr zufrieden sein, zumal der Zuwachs um + 10,1 Prozentpunkte fulminant ist (im Schnitt waren es im Wahlkreis Breisgau + 7 Prozent). Bei näherer Betrachtung ragt in Breisach die AfD betreffend wieder einmal der Stadtbezirk Kohlerhof hervor: 30,0 Prozent. Das liegt nur hauchdünn hinter der CDU: 30,2 Prozent. 

Eine Einordnung des Breisacher AfD-Gesamtergebnisses in der Raumschaft zeigt, Nachbargemeinden wie Vogtsburg und Ihringen mit Werten um 14 Prozent legten im Wahlkreisschnitt liegend gut 7 Prozentpunkte zu. Unter den Nachbargemeinden der Universitätsstadt Freiburg ist Umkirch einmal mehr die Hochburg. Dort waren es diesmal 18 Prozent für die AfD. Das bedeutet einen Zuwachs um 8,0 Prozent. Es ist eine andere Nachbargemeinde, die aufhorchen lässt: Hartheim. Dort wählten mit ihrer Zweitstimme 21,4 Prozent der Wähler die AfD. Das gibt auch der BZ vom 10. März (S. 22) Rätsel auf. Sicher, Hartheim, das nicht an Freiburg angrenzt und ländlich geprägt ist, ist für die AfD strukturell vorteilhaft. Das erklärt aber nicht alles. An anderer Stelle in der BZ-Ausgabe (S. 2) werden starke AfD-Wahlergebnisse mit fehlenden Arztpraxen, Windanlagen in unmittelbarer Nähe oder fehlenden Ladestationen für die E-Mobilität erklärt. Was in der Aufzählung fehlt, ist eine zentrale Landeserstaufnahmestelle, die im Gewerbepark Eschbach an Hartheim mit seinen Ortsteilen Bremgarten und Feldkirch angrenzend entsteht. Das ist es, was vieles erklären dürfte. 

Weder ist in Breisach eine Windindustrieanlage in konkreter Planung (wenn auch nicht ganz vom Tisch), noch eine Landeserstaufnahmestelle vorgesehen. Eher ist die Krankenhausschließung in Breisach für 2026 eine lokale Besonderheit, die aber mit Perspektiven für einen Neuanfang mit einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) und der Ansiedlung einer Fachklinik entschärft wurde und mit dieser Aussicht kaum wahlentscheidend werden konnte. Eine Besonderheit für Breisach ist die Nähe zur Unistadt Freiburg, die eine Hochburg der Grünen sowie der Linken ist und für die AfD ein schwieriges Terrain. Umso mehr bedeuten für die AfD in Breisach 17,4 Prozent und ein Zugewinn von 10,1 Prozent ein starkes Ergebnis. Herzlichen Dank dafür. Das ist uns AfD-Mandatsträgern vor Ort ein Ansporn für unsere Stadtratsarbeit. Der Glückwunsch geht an Partick Rapp (CDU), der im Wahlkreis Breisgau, zu dem Breisach gehört, den Grünen das Direktmandat abluchste.             

Zu erwähnen bleibt, dass auch in Breisach entsprechend dem Landestrend eine Polarisierung zwischen den Parteien mit den favorisierten Kandidaten für das Ministerpräsidentenamt, Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir (Grüne), stattfand. Aber der AfD und nur ihr schadete das kaum. Rückblickend ist zu sehen, die AfD war mit ihrem Ministerpräsidentenkandidaten Markus Frohnmaier medial präsent. Anders als SPD und FDP, die zu Nachtschattengewächsen wurden und am Ende einmal knapp über, einmal unter knapp der Sperrklausel landeten. Auch Die Linke bleibt in Breisach mit 4,3 Prozent hinter den Erwartungen zurück, obwohl die Bürgerinitiative für das Breisacher Krankenhaus sie bei Kundgebungen protegierte. Von dem bundesweiten Hype der Partei Die Linke ist damit nichts übrig geblieben. Und von der BSW spricht kaum noch jemand. Die Zeiten, in denen wir leben, sind schnelllebig, aber die AfD ist geblieben und deutlich stärker geworden. Offenbar gibt es ein beachtliches Bedürfnis nach Veränderung, nach einer Alternative zu den sich sonst immer ähnlicher werdenden Parteien, bei denen man dann auch nicht so viele braucht. Marktbereinigung könnte man das nennen. Das sind im Ländle die Zeichen für die Ära nach Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Ein Ruck geht mit dieser Wahl zwar noch nicht durch das Land, aber es bewegt sich etwas, vor allem bei der AfD, die die mit Abstand größten Zugewinne einfährt, auch und besonders in Breisach. (Durchgesehen und korr. am 18.03.2026).       

Ihr Volker Kempf (Fraktionsvorsitzender)

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